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Variante 2: Einkabelsysteme, die jedem Receiver eine feste Frequenz zuweisen und nur den jeweils angeforderten Transponder aufschalten

Schon bei Einführung des DiSEqC-1.1-Standards hatten dessen Entwickler ein neuartiges Einkabelsystem angedacht: Statt möglichst viele Transponder gleichzeitig auf die gemeinsame Empfangsebene zu quetschen, sollte jedem angeschlossenen Receiver eine feste Frequenz zugewiesen werden. Ein neuartiger Multischalter sollte dann den jeweils angeforderten Satellitentransponder auf die Frequenz des anfordernden Receivers konvertieren. Erste Versuche, diese Idee umzusetzen, waren leider wieder Alleingänge einzelner Hersteller (z. B. Kathrein). Solche ältere Geräte gibt es heute nicht mehr zu kaufen.
Inzwischen gibt es ein herstellerübergreifendes System nach einer europäischen Norm, die die schwer zu merkende Bezeichnung EN50494 trägt. Im Sprachgebrauch hat sich der Begriff Unicable eingeprägt, obwohl das eigentlich nur der geschützte Markenname des Herstellers FTA ist (so ähnlich, wie die Bezeichnung "Tempo" für alle Papiertaschentücher benutzt wird). Andere Firmen dürfen ihre kompatiblen Produkte nicht "Unicable" nennen, weshalb man bei der Suche nach geeigneten Komponenten eher auf das Kürzel "EN50494" achten sollte. Leider gibt es auch einige verwirrende Umschreibungen, die nicht gleich auf EN50494 schließen lassen; der Standard wird zwar von mehreren Herstellern unterstützt (was eigentlich seine Stärke ist), aber manche wollen ihre Kunden durch individuelle Namensgebung trotzdem glauben machen, nur die hauseigenen Produkte seien untereinander kompatibel.

In dem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass das Wort "Unicable" trotz sprachlicher Ähnlichkeit nicht gleichbedeutend mit "Einkabelsystem" ist. Ersteres bezeichnet ein ganz spezifisches System. Letzteres ist der Überbegriff, zu dem auch ältere Systeme sowie Systeme der Variante 1 gehören.

Die Auswahl an Grundgeräten für EN50494-Anlagen ist überraschend groß. Wenn nicht mehr als 4 Receiver angeschlossen werden sollen, genügt bereits ein Unicable-LNB, das es von etlichen Marken gibt. Diese sehr speziellen LNBs enthalten bereits die gesamte notwendige Schaltungstechnik. Man kann also den Ausgang des LNBs direkt mit der vorhandenen Hausverteilung verbinden.

Sollen mehr als 4 Receiver nutzbar sein, braucht man ein externes Grundgerät (auch "Einkabel-Multischalter" genannt), das seine Signale von einem handelsüblichen Quattro-LNB bezieht. Solche Grundgeräte sind für bis zu 8 Receiver ausgelegt. Braucht man noch mehr, kann man Grundgeräte kaskadieren (also die LNB-Eingänge durchschalten). Allerdings bildet jede Kaskade einen separaten Abgang, d. h. man kann pro abgehendem Kabelstrang maximal 8 Receiver anschließen (weil im EN50494-Standard nur acht verschiedene Frequenzen vorgesehen sind). Man kann also nicht wie bei den 1-Ebenen-Systemen beliebig viele Receiver durch Abzweigungen eines einzelnen Grundstrangs versorgen; das kann in manchen größeren Häusern dem Einbau von EN50494-Systemen entgegenstehen.
Einfache und kaskadierbare Grundgeräte dieser Art gibt es z. B. von Kathrein, Smart/Wela und Technisat. Je nach Auslegung versorgen sie 8 Receiver über 1 Strang oder je 4 Receiver über 2 Stränge, und mit den Kaskaden kommt wieder die gleiche Zahl hinzu.
Die Zahl von Kaskaden ist unbegrenzt. Man kann dadurch beliebig viele Receiver versorgen - solange an einem einzigen Kabelstrang nur maximal 8 angeschlossen sind.

Inzwischen sind auch erweiterte Einkabel-Multischalter erhältlich, die eine Verteilung von 8 Sat-Ebenen (also zwei LNBs) erlauben. Damit kann man sogar die Signale von zwei Sat-Positionen (z.B. Astra/Hotbird oder Astra/Türksat) nach Unicable-Prinzip verteilen. Für die Verkabelung am Ausgang gilt dasselbe wie für die einfacheren Geräte: Maximal 8 Receiver pro Kabelstrang.

Receiver-Auswahl
Da die Art der Frequenz-Umschaltung völlig anders funktioniert als in herkömmlichen, sternförmig verteilten Satellitenanlagen mit konventionellen Multischaltern, müssen die für EN50494 verwendeten Receiver ein ganz spezielles Protokoll beherrschen. Das tun noch lange nicht alle; von einer wirklich freien Wahl der Receiver kann man also nicht sprechen. Dass sich EN50494/Unicable eines Tages auf so breiter Front durchsetzt, dass es als Feature aller neuen Receiver selbstverständlich wird, ist nicht zu erwarten. Bisher können es nur geschätzte 30 % der erhältlichen Receivermodelle. (EN50494 ist ein Zusatzfeature von normalen Receivern. Dieselben Geräte können auch wahlweise an normalen Sat-Anlagen betrieben werden - wichtig, falls später einmal auf Sternverteilung umgebaut wird.)

Tendenziell waren es zunächst europäische Hersteller, die EN50494 in ihren Receivern vorsahen. Das mag damit zu tun haben, dass Einkabelsysteme auf dem Weltmarkt keine große Bedeutung haben. Aber immer häufiger erkennen auch asiatische Hersteller den Trend und bauen Unicable-Tauglichkeit in Modelle ein, die für den deutschen Markt bestimmt sind; leider sind die Angaben dazu auf den Homepages eher dürftig und schwer zu finden.

Größere Hersteller, deren Receiver (alle oder zumindest einige) das EN50494-Protokoll unterstützen, sind z. B. Kathrein, Smart/Wela, Technisat, Dream Multimedia, Homecast und Topfield. Auch Fernsehgeräte von Metz, Loewe, Panasonic und Technisat mit ihren DVB-S2-Tunern können es (teilweise).

Eine sehr umfangreiche und ständig aktualisierte Liste gibt es in diesem Thread im Digitalfernsehen-Forum.

Praktische Umsetzung
In Häusern, wo man mit maximal 8 Receivern auskommt, gestaltet sich die Verkabelung fast genauso wie für die 1-Ebenen-Systeme: Die Kabel einer bisherigen Antennen- oder Kabelfernsehverteilung können bestehen bleiben, während Verteiler und Sat-Dosen gegen 3-Loch-Dosen mit DC-Durchlass und Diodenentkopplung getauscht werden müssen. Anders als bei den 1-Ebenen-Systemen ist hier der Gleichspannungs-Durchlass unentbehrlich, weil sonst die Receiver nicht ihre Steuersignale an den EN50494-Multischalter senden können. Verteilverstärker braucht man in solchen Anlagen normalerweise keine, weil für nur 8 Endgeräte das Ausgangssignal des Grundgerätes allemal reicht.
In Häusern mit Bedarf für mehr als 8 Receiver muss man schauen, ob vom Verteilpunkt bereits mehrere Leitungen in verschiedene Stockwerke oder Gebäudeteile gehen, so dass sich die Aufteilung in Kabelstränge ohne viel Aufwand umsetzen lässt. Ist das nicht der Fall, müssen entsprechende Leitungen ergänzt werden. (Dann stellt sich schnell die Frage, ob Unicable hier überhaupt lohnt, oder ob man nicht gleich Kabel für eine Sternverteilung realisiert. Fallen alle diese Optionen weg, bleibt nur ein Ausweichen auf 1-Ebenen-Einkabelsysteme nach Variante 1.)
Die Receiver kann man nicht einfach an das System anschließen und benutzen. Sie müssen zuerst auf Unicable-Betrieb umgeschaltet und auf eine feste Empfangsfrequenz eingestellt werden; jeder für EN50494 geeignete Receiver hat hierfür ein Menü, das die 8 standardisierten Frequenzen zur Auswahl bietet. Wer welche Frequenz(en) am jeweiligen Kabelstrang benutzen darf, muss vorher jemand festlegen. Wird versehentlich eine Frequenz gewählt, die schon einem anderen Receiver zugeteilt war, kommen sich diese Receiver beim Umschalten der Programme in die Quere.

Nächster Teil

Autor: Andreas Beitinger
Letzte Änderung: November 2011

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